Serge, ein Bibliothekar in Adiletten

Im Augustheft von NZZ-Folio steht ein schöner Artikel über den Wald in der französischen Nationalbibliothek, der nur einmal pro Jahr betreten werden darf.

Natur mit Türsteher

Den Wald im Hof der französischen Nationalbibliothek durfte lange niemand betreten. Jetzt ist er offen, aber nur an einem einzigen Nachmittag im Jahr.

Der Wald im Hof der Nationalbibliothek, dreizehntes Pariser Arrondissement, war zwölf Jahre lang ein 1,2 Hektaren kleines Sperrgebiet. Nur Gärtner durften hinein, zweimal in der Woche. Die Direktion hielt es für das Beste, wenn der Wald hinter Glas blieb. Seit sieben Jahren ist er an einem Nachmittag im Jahr offen, doch die Besucher müssen sich schon Monate vorher um eine Eintrittskarte bemühen. Der Rundgang dauert dreissig Minuten, und die Führerin ist auch eine Wärterin.

Die Nähe zum Wald ist ein Privileg. Die Spaziergänger sehen ihn nur von oben, wenn sie über die Esplanade schlendern. Die Studenten überblicken ihn aus der Höhe, wenn sie in einem der Türme sitzen. Die Forscher haben ihn vor den Augen, wenn sie von ihren Unterlagen aufblicken, denn ihnen sind viele der Arbeitsplätze mit Fenster zum Hof vorbehalten. Die Fassade ist aus Glas, doch die Fenster lassen sich nicht öffnen. Die Bibliothek besteht aus vier Flügeln, die an offene und einander zugewandte Bücher erinnern.

Im Artikel wird weiter beschrieben, wie der Wald angelegt wurde und welche Probleme es bei der Erhaltung gibt. Nicht nur die leicht nachvollziehbaren wie Schädlinge und Wind, sondern auch …

Eine Eigenschaft des Waldes verleiht ihm besondere Authentizität: der Müll. Nach der Mittagspause werfen die Studenten ihren Abfall ins Grüne. Flaschen, Kippen, die Plasticschalen vom Chinesen. Heute sehen wir nichts davon, weil die Gärtner den Wald vor unserer Besichtigung gründlich gereinigt haben. Fast jedes Mal, wenn sie in den Wald komme, sagt Boufflet, verlasse sie ihn mit ein paar Flaschen: «Wir befinden uns in einem Paradies unter Dauerkontrolle.» Der Müll ist das eine Problem, das Boufflet ratlos macht. Schlimmer sei die Sache mit den Tieren. Immer wieder setzen Leute ihre Haustiere hier aus, werfen ihren Hund oder ihre Katze in den Wald hinunter und überlassen es den Mitarbeitern der Bibliothek, sie ins Heim oder zur Kadaversammelstelle zu bringen.

Unsere Uni-Bibliothek ist ja nahe am Wald gebaut, sonst wäre das doch für uns auch eine schöne Idee gewesen 🙂 Ach ja, der Serge aus der Überschrift war einer der Waldbesucher in dem zitierten Artikel.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: