Wider den Cyber-Analphabetismus

26. Januar 2016

Auf der Webseite des BIB (Berufsverband Information Bibliothek e.V.)  fand ich den Hinweis auf einen interessanten Artikel in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung):

Das Internet ist kein auf Dauer angelegter Wissensspeicher. Zu behaupten, es ersetze vollständig die Bibliotheken, ist Schildbürgerei.
Gastkommentar von Manfred Schneider 25.1.2016
Vor etwa dreihundert Jahren prophezeite der geniale Mathematiker, Philosoph und Bibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz, dass in tausend Jahren unsere Bibliotheken so gross sein würden wie ganze Staaten. Damals wurden auf dem Gebiete Deutschlands jährlich vielleicht 1500 neue Bücher gedruckt, aber diese Zunahme beunruhigte bereits Gelehrte und Bibliothekare.

Ein schwarzes Loch?

Während sich der gefürchtete Büchermassen-Staat in winzige elektronische Pakete verflüchtigt, schwillt ein neuer virtueller Schildbürgerstaat heran, den die wachsende Schar von Propheten der Digitalisierung und des Internets bevölkert. Diese Cyber-Orakel, Nerds, Medientheoretiker, Blogger und Informatiker behaupten genau zu wissen, welche alltäglichen Dinge, welche technischen und kulturellen Gegebenheiten demnächst verschwinden werden. Sie beschreiben und preisen das World Wide Web als ein schwarzes Loch. Statt Sterne und Sonnen aufzusaugen, verschluckt es die gute alte Gutenberg-Galaxie und mit ihr Kinos, Zeitungen, Schulen, Privatsphären, Lenkräder, Vorlesungen, Autoren, Bücher, Schallplatten, Parlamente, die Öffentlichkeit, Bibliotheken.

Nur ein beliebiges Beispiel (aus dem Internet-Loch): Der amerikanische Internet-Profi M. G. Siegler, Mitarbeiter bei Google, weiss genau, dass die Bibliotheken im Cyberspace verschwinden werden. Warum? Es geht doch keiner mehr hin! Das letzte Mal, erinnert sich Siegler in einem Blog, war er zu Highschool-Zeiten in einer Bibliothek, und da hat er sich auch nur eine CD ausgeliehen. Im Sog solcher Torheiten sind bereits Schulen dazu übergegangen, ihren Kindern das Erlernen der Handschrift zu ersparen.

Man könnte den Cyber-Analphabeten gelassen bei ihrer Hofnarrentätigkeit zuschauen, würden sie nicht auch noch den Ökonomen spielen.

das Internet ist weder eine Bibliothek noch ein Speicher und erst recht keine Datenbank. Das Internet ist ein weltweites Verbundsystem von Rechnern und Computernetzwerken, die untereinander digitalisierte Daten austauschen können. Doch alle magischen Operationen, die den Fingerspitzen des Users, der früher einmal «Mensch» hiess, den Zugang zu ungeheuren Mengen von Wissen erschliessen, führten in die Leere, gäbe es nicht, über den Globus verteilt, Tausende von Institutionen, die dieses Wissen sammeln, pflegen und für die Weltgemeinde der Nutzer zugänglich machen würden.

Wer also behauptet, wir benötigten keine Bibliotheken, weil wir das Internet hätten, gehört in die Gesellschaft der Schildbürger, die keine Elektrizitätswerke benötigen, weil sie doch Steckdosen haben. Der populäre Satz, wonach das Internet «nichts vergisst», ist eine Warnung und nichts weniger als eine Beruhigung, denn von den Datenspeichern weltweit werden unablässig Einträge gelöscht, oder sie verschwinden mit den Rechnern selbst, die ständig erneuert werden müssen.

Wer im Vertrauen darauf, dass Wikipedia schon alles weiss, seine Lexika und Enzyklopädien ins Feuer wirft, wird irgendwann reumütig zu materiellen Datenträgern und greifbaren Informationssystemen zurückkehren, die immer noch die Grundlage allen Wissens bilden. Unzählige Links in der – gewiss grossartigen – Wikipedia-Enzyklopädie sind binnen kurzem erloschen, Verweise auf Bücher, Artikel, Zeitungsnachrichten, Funk- und Fernsehsendungen haben ihre unvermeidlich begrenzte Lebensdauer und unterliegen dem Vergessen – nicht des Internets, sondern der Zeit selbst.

Zeit und Veränderung

Nichts aber hat sich daran geändert, dass alles Wissen seit einigen tausend Jahren in Form von Schrift niedergelegt und festgehalten wird und dass der Aufstieg, die Dynamik und der Erfolg der Moderne, von Wissenschaft, Technik, Gesellschaft und Kultur in erster Linie darauf beruhen, dass erstens die gesamte westliche Bevölkerung alphabetisiert, literarisiert und mathematisch gebildet wurde. Und dass sie zweitens dank dem grossen, exponentiell wachsenden historischen Wissen einen Begriff von Zeit und Veränderung, aber auch von Dauer entwickelt hat. Der Cyber-Analphabetismus im virtuellen Schildbürger-Staat muss daher bekämpft werden wie alle Leseschwächen.

Manfred Schneider ist emeritierter Professor für deutsche Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 2013 ist bei Matthes & Seitz sein Buch «Transparenztraum» erschienen.

Übrigens lautet das Titelthema des Februarhefts von “Bild der Wissenschaft”  ‘Leichter lernen’. Dort gibt es u.A. ein Plädoyer für die Handschrift.

Schlau dank Stift

Heute wird immer mehr getippt und immer weniger geschrieben. Auch in der Schule verliert das händische Schreiben an Bedeutung. Dabei hilft es unserem Gehirn entscheidend auf die Sprünge.
von Bettina Gartner

Artikel aus “Bild der Wissenschaft” sind 2 Monate nach Erscheinen frei verfügbar. (Quelle EZB “Über die Suchfunktion kann man alle Beiträge 2 Monate nach Erscheinen kostenlos recherchieren und lesen. Die pdf-Version der Hefte ist kostenpflichtig.”)

 

 


13. InetBib-Tagung im Februar 2016

15. Dezember 2015

Neues und Bewährtes bei der InetBib-Tagung im kommenden Jahr. Die Themen hier dargestellt in einer Wortmütze:Wortmütze der InetBib-Themen

InetBib-Themen im Nikolaus-Style, erstellt mit: https://tagul.com/


Was waren die bibliothekarischen Trends in diesem Jahr?

14. Dezember 2015

Im ZBW-Mediatalk (News, Technologien und Innovationen für Bibliotheken und Informationszentren) findet sich ein schöner Artikel dazu. Um die Neugierde zu steigern, zitiere ich nur die Überschriften: wo bekomme ich das Jodeldiplom und was hat Marty McFly damit zu tun? ;-)

Das ABC der bibliothekarischen Trendthemen 2015

A wie Amazon
B wie Beacons
C wie Curated Shopping
D wie Design Thinking
E wie E-Book-Markt
F wie Flüchtlinge
G wie Google
H wie Handyfasten
I wie Instagram & Co.
J wie Jodel
K wie Kündigung
L wie Logistik-Innovationen
M wie Makerspaces
N wie Neue Arbeitswelt
O wie Open Science
P wie Periscope
Q wie Quantified Self
R wie Roboter im Kundenservice
S wie Snapchat
T wie Transformation
U wie unbewacht
V wie (Street) View
W wie Wearables
X wie XING
Y wie Youtube
Z wie „Zurück-in-die-Zukunft-Tag“

 → Autorin: Birgit Fingerle (ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft; Soziale Medien, Stabsstelle Innovationsmanagement)

Bibliotherapie

12. November 2015

Bei der morgendlichen Zeitungslektüre habe ich ein neues Wort gelernt: “Bibliotherapie”.

Dabei geht es nicht – wie man vielleicht annehmen könnte – um Selbstheilung durch Lesen von Ratgeberliteratur.

Es handelt sich vielmehr um einen ernst zu nehmenden Therapieansatz.

Quellen

Wikipedia:

Die Poesie- und Bibliotherapie sind künstlerische Therapieformen wie Musiktherapie und Tanztherapie, die sich ursprünglich unabhängig voneinander entwickelt haben und die “Heilkraft der Sprache”, das Lesen von beruhigender und aufbauender Literatur und das Schreiben und Gestalten eigener literarischer Texte verwenden, um Heilungsprozesse zu unterstützen, Probleme zu lösen und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.

FAZ (19.03.15)

Bibliotherapie – Düstere Geschichten helfen Depressiven

Literatur wirkt wie Medizin. Dieser Idee ist die Kritikerin Andrea Gerk gefolgt und fand heraus. Ein Gespräch über die heilende Kraft von Romanen.

Biblio-Therapie – Lesen kann heilen

von Andrea Gerk

Lesen ist Medizin und Therapie zugleich. Neurowissenschaftler und sogenannte Bibliotherapeuten erzielen mit den richtigen Büchern erstaunliche Heil-Erfolge bei Schmerzen und seelischem Leid.

In der Fachbibliothek 23 (Gesundheitswissenschaften)  befindet sich übrigens ein Buch zum Thema:

Lesen als Medizin : die wundersame Wirkung der Literatur / Andrea Gerk


Lust auf Chormusik?

29. Oktober 2015

Einen Veranstaltungstipp für Samstag 31.10.2015 möchte ich hier gerne weitergeben: Der gemischte Chor ChorDàZio singt in der Neuen Schmiede in Bethel. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass auch unsere Unibibliothek und die Stadtbibibliothek Bielefeld stimmlich in diesem Chor vertreten sind ;-))

Bei einem der vorigen Konzerte habe ich diesen Chor schon selber gehört und möchte ihn ausdrücklich empfehlen. Hier die Ankündigung der Neuen Schmiede:

„Alles auf eine Karte!“ – ein gewagter Abend mit ChorDàZio

Am Samstag, den 31. Oktober um 20:00 Uhr lädt der gemischte Chor „ChorDàZio“ unter dem Motto „Alles auf eine Karte!“ zu einem Konzert in der Neuen Schmiede in Bethel ein. ChorDàZio bietet dabei Bekanntes und Unbekanntes, Klassisches und Populäres in gewohnten und ungewohnten Arrangements, und weiß dabei auch immer wieder zu überraschen.

Die 30 Chormitglieder singen seit 2006 unter der Leitung von Christof Pülsch (Kantor der Zionsgemeinde Bethel) und treten regelmäßig bei verschiedenen Gelegenheiten in Bielefeld auf, beispielsweise bei den Nachtansichten, der Offenen Bühne im Freizeitzentrum Stieghorst oder zuletzt beim Schlussakkord zum Stadtjubiläum in der Rudolf-Oetker-Halle.

Beginn des Konzertes ist um 20:00 Uhr, Eintrittskarten zu 6 € (ermäßigt 4 €) sind im Vorverkauf über die Chormitglieder sowie an der Abendkasse erhältlich.


Informationskompetenz in der Kneipe erlangen?

16. Oktober 2015

“Warum ist die Banane braun?” Dieser Frage widmet sich ein Vortrag, über den SPON berichtet. Der Vortragsort: Eine Kneipe. Eine Zukunftsvision: Schulungen zur Informationskompetenz in der Kneipe;) Oder muß ich jetzt zum Arzt?
Hier der Link zum ArtikelWissenschaftliche Überraschungsvorträge: Kommt ein Professor in die Kneipe” von Axel Bojanowski:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wissen-vom-fass-in-hamburg-wissenschaft-in-kneipen-a-1058090.html


Noch’n Ausstellungstipp

8. Oktober 2015

Mehr als ein Buch
Kunsthandwerker präsentieren sich in Bielefeld

Die Bielefelder Handwerkskammer-Präsidentin Lena Strothmann eröffnet an diesem Freitag, 19 Uhr, die Ausstellung „Handzeichen“ in der Bielefelder Ravensberger Spinnerei. Zum 21. Mal organisiert der Verein „Angewandte Kunst OWL“ die Ausstellung, bei der sich 23 Kunsthandwerkerinnen und -handwerker verschiedenster Gewerke (Holz, Leder, Metall,Textil, Stein, Keramik) aus der Region und ganz Deutschland bis Sonntag, 9. Oktober, 11 bis 18 Uhr, präsentieren.

Mit dabei ist der Osnabrücker Künstler Ivon Illmer mit seinen Buchskulpturen.

Quelle: http://www.nw.de/nachrichten/wirtschaft/20590946_Kunsthandwerker-praesentieren-sich-in-Bielefeld.html


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.