Der älteste Computer der Welt?

3. November 2016

Die Titelgeschichte des Novemberhefts von bild der wissenschaft lautet „Die größten Rätsel der Archäologie“.

Es ging – mal wieder – um die Frage, ob die Wikinger die ersten Europäer in Amerika waren und was eigentlich auf den Osterinseln passiert ist.

Für mich gänzlich neu war der Beitrag über den „Mechanismus von Antikythera“. 1901 entdeckten griechische Taucher vor der Insel Antikythera ein altes Schiffswrack: mit Amphoren, Münzen usw. Und sie fanden verbeulte Bronzeplatten und ein paar rostige Zahnräder.

Man war sich wohl relativ schnell sicher, dass es sich um einen antiken Apparat handelt. Aber wofür, und wie hat er funktioniert? Mittlerweile sind 82 Teile des Mechanismus geborgen. Doch die Rekonstruktion erwies sich als schwierig.

Aus: Wikipedia (gesehen 3.11.16)

Der Mechanismus von Antikythera ist ein antikes, mit einer späteren astronomischen Uhr vergleichbares Gerät. Mit Hilfe vieler Zahnräder und Zifferblätter konnten von ihm wesentlich mehr astronomisch-kalendarische Zusammenhänge angezeigt werden, als es bei entsprechenden Uhren, die es im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab, möglich war.

Der Mechanismus wurde im Jahr 1900 von Schwammtauchern zusammen mit anderen Funden in einem Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera, zwischen der Peloponnes und Kreta, entdeckt. An Bord befindliche Münzen aus Pergamon konnten auf die Jahre zwischen 86 und 67 v. Chr. datiert werden, Münzen aus Ephesus auf die Jahre zwischen 70 und 62 v. Chr. Daher dürfte das Schiff zwischen 70 und 60 v. Chr. gesunken sein; der Fund stammt somit aus dem späten Hellenismus.

Das Gerät ist unvollständig erhalten und daher nicht mehr funktionsfähig. Die 82 erhaltenen Fragmente befinden sich heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen; die drei größten Teile sind in der Abteilung für Bronzegegenstände öffentlich ausgestellt.

Der Fund des Mechanismus von Antikythera war insofern überraschend, als ein technisch so anspruchsvolles Gerät wie dieses und die in ihm enthaltene Technik und Herstellungsweise bisher aus der Zeit der Antike nicht bekannt war.

Im BdW-Artikel wird beschrieben, wie die Artefakte nun mit einem neuartigen Röntgentomografen namens „Bladerunner“ untersucht wurden. Um das 8-Tonnen-Gerät zum Athener Nationalmuseum zu schaffen, mussten mehrere Strassenzüge gesperrt werden. Aber der Aufwand hat sich gelohnt: es konnten erstmals Schriftzeichen und kleine Texte entdeckt werden. Leider handelt es sich dabei nicht direkt um eine Bedienungsanleitung, die Zeichen beschreiben vielmehr, was der Betrachter sieht. Das sei aber ausgesprochen hilfreich, da auch Teile beschrieben werden, die nicht mehr vorhanden sind. „Genug für eine eindeutige Rekonstruktion“ sagt der US-Forscher Alexander Jones und fasst zusammen „Ein brillantes System. Ein Konzept von Zeit, Geschwindigkeit und Raum“.

Weitere Informationen u.a. beim „Antikythera Mechanism Research Project

 


Herr Rosemann ist im Ruhestand

15. Oktober 2016

Uwe Rosemann,  zuletzt Direktor der Technischen Informationsbibliothek (TIB) in Hannover und von 1980 bis 1993 Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Bielefeld, ist im Ruhestand, wie der Informationsdienst Wissenschaft (idw) berichtet. Nachdem er an der Universitätsbibliothek Bielefeld sein Referendariat absolviert hatte, betreute er ebenfalls hier im Haus die Fachreferate Mathematik und Informatik und hielt schließlich von 1990 bis 1993 die Leitung des Benutzungsdezernats inne.

Was nicht in der Presseerklärung anlässlicher seiner Verabschiedung erwähnt wird ist, dass er auch einmal Redaktionsmitglied der Mitarbeiter_innen Zeitschrift Bibliotheksebene war und darüber hinaus auch Jahre nach seinem Fortgang große Annerkennung im Kreise der Bielefelder Belegschaft fand und vermutlich bis heute noch findet.


Ehemaliger Mitarbeiter der Uni Bielefeld wird Chef von weltberühmter Bibliothek

26. August 2016

Auf einer Zeitungsseite, die mir eine Freundin wegen eines anderen Artikels gab, fand ich eine kurze Notiz, die schon einige Wochen alt, aber immer noch aktuell ist:

„Herford. Ein gebürtiger Herforder und ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Bielefeld wird Chef der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar: Reinhard Laube, der zurzeit die Staatsbibliothek in Augsburg leitet, tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Michael Knoche an, der in den Ruhestand geht.“

Nähere Informationen dazu sind hier zu finden:

mdr über Reinhard Laube


Der KVK wird 20

4. August 2016

In meinem Lieblingsblog netbib las ich, dass der Karlsruher Virtuelle Katalog nun 20 Jahre alt geworden ist.

KVK-Jubiläum: 20 Jahre alt

Ich kann mir kaum noch vorstellen, wie wir ohne dieses famose Instrument gearbeitet haben. Bei allen Problemen, die uns die Verbreitung und Nutzung des Internets gebracht haben (Hass und Hetze, Überwachungsmöglichkeiten, Realitätsverlust, Spielsucht, …), finde ich doch, dass unser Beruf wesentlich attraktiver geworden ist.
Ich erinnere, dass wir damals im ersten Semester am Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen (BLI) in Köln das HBZ besichtigt haben. Angesichts des Zentralkatalogs (riesige Schränke mit Karteikarten) habe ich gedacht, wenn das ein Arbeitsplatz für Diplom-Bibliothekare ist, dann bin ich hier falsch😦

 


Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte

21. Juli 2016

Lesetipp: Zeitmagazin

Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte

Nichts hat das Leben der Schriftstellerin Hatice Akyün so verändert wie der Duisburger Bücherbus. Jetzt hat sie seinen Erfinder getroffen. Von Hatice Akyün

ZEITmagazin Nr. 30/2016 20. Juli 2016


Bibliothek ungelesener Bücher

3. Mai 2016

Das Aprilheft von NZZFolio befasst sich mit ‚Künstlicher Intelligenz‘.  In einem Beitrag tritt beispielsweise ein Redakteur in sechs Disziplinen gegen den Computer an. Fazit: „Die Maschinen sind uns dicht auf den Fersen“. Man kann auch einige Tests selbst durchführen: ich fürchte, mich haben sie schon eingeholt😦 Aber das nur am Rande …

Ich möchte auf den Artikel „Archivar des Ungelesenen“ hinweisen; dort wird ein Interview mit dem österreichischen Künstler Julius Deutschbauer geführt.

Für seine Bibliothek führt Julius Deutschbauer Interviews über Bücher, die seine Gesprächspartner nicht gelesen haben.

Welche Anhaltspunkte hat man, um etwas über ungelesene Bücher zu sagen?

Ich frage die Gesprächspartner nach Inhalten, die sie ja nicht kennen können, ermuntere zu Mutmassungen, Behauptungen, Erwartungen, Ahnungen, rufe Hörensagen ab. Die meisten Köpfe fungieren doch als Bibliotheksräume von Ungelesenem.

Gibt es Bücher, die besonders gern nicht gelesen werden?

Es führt die Bibel, dicht darauf folgt Robert Musils «Der Mann ohne Eigenschaften». Dieses Buch ist wohl das schlechte Buchgewissen der Österreicher. Danach kommen James Joyces «Ulysses» und Marcel Prousts «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit». Karl Marx’ «Das Kapital» und Adolf Hitlers «Mein Kampf» liegen gleichauf knapp dahinter. Das haben die beiden sich wohl auch ganz anders erträumt.

Julius Deutschbauer beschäftigt sich auch mit ungesehenen Filmen und Theateraufführungen.  Aber:

Einige dieser Projekte existieren nur symbolisch. Ich kann ja nicht für ein jedes «Un-» dieser Welt zuständig sein. Vielleicht gründe ich aber noch ein Flüchtlingslager nie angekommener Flüchtlinge.

 Bibliothek ungelesener Bücher


„Digital Humanities“

14. April 2016

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften gibt die Zeitschrift „Akademie aktuell“ heraus; der Titel der aktuellen Ausgabe lautet „Digital Humanities: mehr als Geisteswissenschaften mit anderen Mitteln“.

Darin sind mehrere Artikel enthalten, die auch für uns ‚Bibliothekswesen‘ interessant sind. Z.B. „Bibliotheken als Open Access-Publikationsdienstleister“ (S. 59ff) und  „Digitale Amnesie – Schicksal moderner Wissensgesellschaften“ (S. 86ff). Jetzt kenne ich auch die Begriffe Hardware-Amnesie und Software-Amnesie😉

Download des gesamten Hefts

Übersicht über Zeitschrift „Akademie aktuell“