Ehemaliger Mitarbeiter der Uni Bielefeld wird Chef von weltberühmter Bibliothek

26. August 2016

Auf einer Zeitungsseite, die mir eine Freundin wegen eines anderen Artikels gab, fand ich eine kurze Notiz, die schon einige Wochen alt, aber immer noch aktuell ist:

„Herford. Ein gebürtiger Herforder und ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Bielefeld wird Chef der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar: Reinhard Laube, der zurzeit die Staatsbibliothek in Augsburg leitet, tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Michael Knoche an, der in den Ruhestand geht.“

Nähere Informationen dazu sind hier zu finden:

mdr über Reinhard Laube


Der KVK wird 20

4. August 2016

In meinem Lieblingsblog netbib las ich, dass der Karlsruher Virtuelle Katalog nun 20 Jahre alt geworden ist.

KVK-Jubiläum: 20 Jahre alt

Ich kann mir kaum noch vorstellen, wie wir ohne dieses famose Instrument gearbeitet haben. Bei allen Problemen, die uns die Verbreitung und Nutzung des Internets gebracht haben (Hass und Hetze, Überwachungsmöglichkeiten, Realitätsverlust, Spielsucht, …), finde ich doch, dass unser Beruf wesentlich attraktiver geworden ist.
Ich erinnere, dass wir damals im ersten Semester am Bibliothekar-Lehrinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen (BLI) in Köln das HBZ besichtigt haben. Angesichts des Zentralkatalogs (riesige Schränke mit Karteikarten) habe ich gedacht, wenn das ein Arbeitsplatz für Diplom-Bibliothekare ist, dann bin ich hier falsch😦

 


Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte

21. Juli 2016

Lesetipp: Zeitmagazin

Der Bus, mit dem ich die Welt entdeckte

Nichts hat das Leben der Schriftstellerin Hatice Akyün so verändert wie der Duisburger Bücherbus. Jetzt hat sie seinen Erfinder getroffen. Von Hatice Akyün

ZEITmagazin Nr. 30/2016 20. Juli 2016


Bibliothek ungelesener Bücher

3. Mai 2016

Das Aprilheft von NZZFolio befasst sich mit ‚Künstlicher Intelligenz‘.  In einem Beitrag tritt beispielsweise ein Redakteur in sechs Disziplinen gegen den Computer an. Fazit: „Die Maschinen sind uns dicht auf den Fersen“. Man kann auch einige Tests selbst durchführen: ich fürchte, mich haben sie schon eingeholt😦 Aber das nur am Rande …

Ich möchte auf den Artikel „Archivar des Ungelesenen“ hinweisen; dort wird ein Interview mit dem österreichischen Künstler Julius Deutschbauer geführt.

Für seine Bibliothek führt Julius Deutschbauer Interviews über Bücher, die seine Gesprächspartner nicht gelesen haben.

Welche Anhaltspunkte hat man, um etwas über ungelesene Bücher zu sagen?

Ich frage die Gesprächspartner nach Inhalten, die sie ja nicht kennen können, ermuntere zu Mutmassungen, Behauptungen, Erwartungen, Ahnungen, rufe Hörensagen ab. Die meisten Köpfe fungieren doch als Bibliotheksräume von Ungelesenem.

Gibt es Bücher, die besonders gern nicht gelesen werden?

Es führt die Bibel, dicht darauf folgt Robert Musils «Der Mann ohne Eigenschaften». Dieses Buch ist wohl das schlechte Buchgewissen der Österreicher. Danach kommen James Joyces «Ulysses» und Marcel Prousts «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit». Karl Marx’ «Das Kapital» und Adolf Hitlers «Mein Kampf» liegen gleichauf knapp dahinter. Das haben die beiden sich wohl auch ganz anders erträumt.

Julius Deutschbauer beschäftigt sich auch mit ungesehenen Filmen und Theateraufführungen.  Aber:

Einige dieser Projekte existieren nur symbolisch. Ich kann ja nicht für ein jedes «Un-» dieser Welt zuständig sein. Vielleicht gründe ich aber noch ein Flüchtlingslager nie angekommener Flüchtlinge.

 Bibliothek ungelesener Bücher


„Digital Humanities“

14. April 2016

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften gibt die Zeitschrift „Akademie aktuell“ heraus; der Titel der aktuellen Ausgabe lautet „Digital Humanities: mehr als Geisteswissenschaften mit anderen Mitteln“.

Darin sind mehrere Artikel enthalten, die auch für uns ‚Bibliothekswesen‘ interessant sind. Z.B. „Bibliotheken als Open Access-Publikationsdienstleister“ (S. 59ff) und  „Digitale Amnesie – Schicksal moderner Wissensgesellschaften“ (S. 86ff). Jetzt kenne ich auch die Begriffe Hardware-Amnesie und Software-Amnesie😉

Download des gesamten Hefts

Übersicht über Zeitschrift „Akademie aktuell“

 


Das Leben schreibt die schönsten Geschichten

15. Februar 2016

Zum Thema „Straßensperrungen an der Universität“ gibt die Universität Bielefeld bekannt:

Bauarbeiten vom 15. Februar bis zum 18. März

Vom 15. bis zum 24. Februar (1. Straßenbauabschnitt) wird die „Erfahrung“ zwischen den Querstraßen „Vermittlung“ und „Assoziation“ voll gesperrt. Zeitgleich wird auch die Straße „Spannungsbogen“ zwischen „Hermeneutischer Zirkel“ und „Erfahrung“ voll gesperrt. Für den Zeitraum dieser Arbeiten wird zudem die „Erfahrung“ zwischen „Spannungsbogen“ und „Vermittlung“ zur Einbahnstraße. Die Zufahrt zur „Vermittlung“ bleibt offen, …

Vom 25. bis zum 28. Februar (2. Straßenbauabschnitt) wird der „Hermeneutische Zirkel“ voll gesperrt. Die „Erfahrung“ zwischen „Vermittlung“ und „Assoziation“ ist dann wieder befahrbar.

Vom 29. Februar bis zum 2. März (3. Bauabschnitt) wird die „Erfahrung“ zwischen „Spannungsbogen“ und „Vermittlung“ voll gesperrt.

Erfahrung wird zur Einbahnstraße, das klingt nicht gut; aber wenigstens bleibt die Vermittlung offen.

Früher ulkten  wir „Ob er aber über Oberammergau, oder aber über Unterammergau, oder aber überhaupt nicht kommt, ist nicht gewiss“.  Keine Ahnung, wie ich da jetzt drauf komme🙂

Wider den Cyber-Analphabetismus

26. Januar 2016

Auf der Webseite des BIB (Berufsverband Information Bibliothek e.V.)  fand ich den Hinweis auf einen interessanten Artikel in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung):

Das Internet ist kein auf Dauer angelegter Wissensspeicher. Zu behaupten, es ersetze vollständig die Bibliotheken, ist Schildbürgerei.
Gastkommentar von Manfred Schneider 25.1.2016
Vor etwa dreihundert Jahren prophezeite der geniale Mathematiker, Philosoph und Bibliothekar Gottfried Wilhelm Leibniz, dass in tausend Jahren unsere Bibliotheken so gross sein würden wie ganze Staaten. Damals wurden auf dem Gebiete Deutschlands jährlich vielleicht 1500 neue Bücher gedruckt, aber diese Zunahme beunruhigte bereits Gelehrte und Bibliothekare.

Ein schwarzes Loch?

Während sich der gefürchtete Büchermassen-Staat in winzige elektronische Pakete verflüchtigt, schwillt ein neuer virtueller Schildbürgerstaat heran, den die wachsende Schar von Propheten der Digitalisierung und des Internets bevölkert. Diese Cyber-Orakel, Nerds, Medientheoretiker, Blogger und Informatiker behaupten genau zu wissen, welche alltäglichen Dinge, welche technischen und kulturellen Gegebenheiten demnächst verschwinden werden. Sie beschreiben und preisen das World Wide Web als ein schwarzes Loch. Statt Sterne und Sonnen aufzusaugen, verschluckt es die gute alte Gutenberg-Galaxie und mit ihr Kinos, Zeitungen, Schulen, Privatsphären, Lenkräder, Vorlesungen, Autoren, Bücher, Schallplatten, Parlamente, die Öffentlichkeit, Bibliotheken.

Nur ein beliebiges Beispiel (aus dem Internet-Loch): Der amerikanische Internet-Profi M. G. Siegler, Mitarbeiter bei Google, weiss genau, dass die Bibliotheken im Cyberspace verschwinden werden. Warum? Es geht doch keiner mehr hin! Das letzte Mal, erinnert sich Siegler in einem Blog, war er zu Highschool-Zeiten in einer Bibliothek, und da hat er sich auch nur eine CD ausgeliehen. Im Sog solcher Torheiten sind bereits Schulen dazu übergegangen, ihren Kindern das Erlernen der Handschrift zu ersparen.

Man könnte den Cyber-Analphabeten gelassen bei ihrer Hofnarrentätigkeit zuschauen, würden sie nicht auch noch den Ökonomen spielen.

das Internet ist weder eine Bibliothek noch ein Speicher und erst recht keine Datenbank. Das Internet ist ein weltweites Verbundsystem von Rechnern und Computernetzwerken, die untereinander digitalisierte Daten austauschen können. Doch alle magischen Operationen, die den Fingerspitzen des Users, der früher einmal «Mensch» hiess, den Zugang zu ungeheuren Mengen von Wissen erschliessen, führten in die Leere, gäbe es nicht, über den Globus verteilt, Tausende von Institutionen, die dieses Wissen sammeln, pflegen und für die Weltgemeinde der Nutzer zugänglich machen würden.

Wer also behauptet, wir benötigten keine Bibliotheken, weil wir das Internet hätten, gehört in die Gesellschaft der Schildbürger, die keine Elektrizitätswerke benötigen, weil sie doch Steckdosen haben. Der populäre Satz, wonach das Internet «nichts vergisst», ist eine Warnung und nichts weniger als eine Beruhigung, denn von den Datenspeichern weltweit werden unablässig Einträge gelöscht, oder sie verschwinden mit den Rechnern selbst, die ständig erneuert werden müssen.

Wer im Vertrauen darauf, dass Wikipedia schon alles weiss, seine Lexika und Enzyklopädien ins Feuer wirft, wird irgendwann reumütig zu materiellen Datenträgern und greifbaren Informationssystemen zurückkehren, die immer noch die Grundlage allen Wissens bilden. Unzählige Links in der – gewiss grossartigen – Wikipedia-Enzyklopädie sind binnen kurzem erloschen, Verweise auf Bücher, Artikel, Zeitungsnachrichten, Funk- und Fernsehsendungen haben ihre unvermeidlich begrenzte Lebensdauer und unterliegen dem Vergessen – nicht des Internets, sondern der Zeit selbst.

Zeit und Veränderung

Nichts aber hat sich daran geändert, dass alles Wissen seit einigen tausend Jahren in Form von Schrift niedergelegt und festgehalten wird und dass der Aufstieg, die Dynamik und der Erfolg der Moderne, von Wissenschaft, Technik, Gesellschaft und Kultur in erster Linie darauf beruhen, dass erstens die gesamte westliche Bevölkerung alphabetisiert, literarisiert und mathematisch gebildet wurde. Und dass sie zweitens dank dem grossen, exponentiell wachsenden historischen Wissen einen Begriff von Zeit und Veränderung, aber auch von Dauer entwickelt hat. Der Cyber-Analphabetismus im virtuellen Schildbürger-Staat muss daher bekämpft werden wie alle Leseschwächen.

Manfred Schneider ist emeritierter Professor für deutsche Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. 2013 ist bei Matthes & Seitz sein Buch «Transparenztraum» erschienen.

Übrigens lautet das Titelthema des Februarhefts von „Bild der Wissenschaft“  ‚Leichter lernen‘. Dort gibt es u.A. ein Plädoyer für die Handschrift.

Schlau dank Stift

Heute wird immer mehr getippt und immer weniger geschrieben. Auch in der Schule verliert das händische Schreiben an Bedeutung. Dabei hilft es unserem Gehirn entscheidend auf die Sprünge.
von Bettina Gartner

Artikel aus „Bild der Wissenschaft“ sind 2 Monate nach Erscheinen frei verfügbar. (Quelle EZB „Über die Suchfunktion kann man alle Beiträge 2 Monate nach Erscheinen kostenlos recherchieren und lesen. Die pdf-Version der Hefte ist kostenpflichtig.“)

 

 


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